Freitag, 8. Oktober 2010

Botanische Qualen

Um das schöne Herbstwetter auszunutzen haben wir gestern spontan einen Ausflug in den Botanischen Garten veranstaltet. Für den Zoo sind die Kinder zu alt und da wir früher immer sehr gerne mit dem Kinderwagen im Botanischen Garten spazierten, wollten wir diese Erinnerung mit unseren halbwüchsigen Kindern wiederholen.

Die Fahrt verlief sehr ruhig, da die Kinder sich noch Zuhause so zerstritten hatten, dass sie nicht mehr miteinander sprachen. Mein Sohn war wie immer gegen den Ausflug, jedes mal sträubt er sich am Anfang gegen alles was wir vorschlagen, um dann zum Schluss der Begeisterteste von allen zu sein. Diese schlechte Laune ließ er an seiner Schwester aus, die dann ihrerseits reagierte und die Emotionen hoch kochten. Begleitet von diversen, negativen Kommentaren der Kinder stellten wir uns bei der Schlange vor dem Eingang an. Mir war gar nicht bewusst, dass der Botanische Garten mitten in der Woche solche Besuchermassen anzieht. Eine gefühlte Stunde später und den Wortschatz mit zwanzig neuen Schimpfwörtern meines Sohnes aufgefüllt, konnten wir endlich unser Familienticket lösen. Nach dem Durchschreiten der Schranke wurde uns klar, warum so vielen Menschen Einlass begehrten. Herbstlicher Staudensonderverkauf, in den Augen meiner Frau blitzte etwas auf. Auch das noch, ich stellte mich seelisch auf viele neue Pflanzen für den Garten ein. Um den Menschenmassen auf dem Hauptweg zu entkommen, schritten wir so schnell wie möglich in einen der Nebenpfade. Das schöne im Botanischen Garten sind die überall verteilten Erklärungsschilder, die einem sagen, wie die jeweilige Pflanze heißt, wo sie herkommt und andere, nützliche Informationen. Ein Schild mit einem Totenkopf am linken Rand weckte mein besonderes Interesse, so das ich einen störenden Ast davor mit der Hand anhob um das Schild lesen zu können. Je mehr ich mich in den Text vertiefte, umso komischer wurde das Gefühl in meiner Hand, die den Ast weg drückte. Die Pflanze, deren ungemütlicher Geruch sich langsam ausbreite, war ein aus Nordamerika stammendes Gewächs namens Giftsumach. Das auch unter dem Namen Poison Oak bekannte und gefürchtete Kraut, ist bei Kontakt giftig, kann heftige Allergische Reaktionen auslösen und wirkt oft tödlich auf Kleintiere wie Hasen. Glück für mich, dass ich kein Hase bin. Trotzdem fing meine Hand, die dieses Todeskraut weg gehalten hatte, unangenehm zu jucken an. Von meiner Frau, die mit ihrem Lachkrampf beschäftigt war, konnte ich keine Hilfe erwarten, so dass ich männlich, cool den Schmerz ertrug ohne eine Mine zu verziehen. Während des weiteren Besuchs des Botanischen Gartens juckte meine Hand, die immer mehr die Farbe von Krebsen im kochenden Wasser an nahm. Besonders schlimm wurde es, als wir das Tropische Pflanzenhaus betraten, anscheinend vertrugen sich Giftsumachgift und die Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit der Tropen eher schlecht. Beim Ballen der Faust verspürte ich besonders große Schmerzen, umso schlimmer, dass meine Frau beim Staudenverkauf ordentlich zuschlug und wir mit mehreren Kübeln überfrachtet den Rückweg antraten. Zuhause verbrachte meine Hand den Abend in einem Eiswürfelbad, heute juckt sie kaum noch.

„Vorsicht ist die der Rücksicht zugewandte Seite der Umsicht.“ (Peter E. Schumacher)

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